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Jeder Euro kommt dem Tierschutz zugute

Jeder Euro kommt dem Tierschutz zugute

Natur Aktivisten im Nassauer Land seit vielen Jahren engagiert – Derzeit Vermittlungsstopp im Tierheim

M Rhein-Lahn. Was haben gerettete Kröten mit kastrierten Katzen zu tun, und warum rücken die Tierheime im Moment ausnahmsweise keine Schützlinge zur Vermittlung heraus? Bei den Tierschützern im Kreis herrscht in der Weihnachtszeit Hochspannung. Wie jedes Jahr versuchen sie, Menschen davon abzuhalten, unüberlegt lebendige Weihnachtsgeschenke zu besorgen, denn die Folgen sind für viele Tiere traurig oder sogar grausam.

„Viel zu viele Tiere werden spontan angeschafft und kurz nach Weihnachten dann wieder ausgesetzt“, ist die Erfahrung von Marianne Luthmer, die sich für das Diezer Tierheim engagiert. Die Folgen sind nicht nur überfüllte Tierheime, sondern auch viele Haustiere, die zu streunen beginnen. Vor allem bei den Katzen hat das schlimme Folgen: „Die Katzen können sich schon mit fünf Monaten fortpflanzen. Aber nicht nur der Nachwuchs macht uns Sorgen, sondern auch die Gefahr, dass durch die streunenden Katzen schwere Krankheiten verbreitet werden“, so die Erfahrung von Silvia Heibert, die seit 27 Jahren Vorsitzende im Verein Tierfreunde im Nassauer Land ist.

Um hier zu helfen, lässt der Verein so viele Katzen wie möglich kastrieren. Das kostet Geld – und hier kommen nun die geretteten Kröten ins Spiel: Nicht etwa, weil jemand sprichwörtlich einige Euro für den Verein auf die Seite gelegt hat, sondern weil die Tierfreunde eine ganz besondere Spende bekommen haben: Im Oktober wurden acht Gruppen engagierter Amphibiensammler mit dem Umweltpreis des Rhein-Lahn-Kreises ausgezeichnet. Dazu zählte auch die Gruppe um Rita Landau und Heike Bauer, die seit dem Jahr 2000 immer im Frühjahr mit ihrer Gruppe am Bärensee bei Holzappel und entlang der Kreisstraße zwischen Charlottenberg und Horhausen unterwegs sind, um Kröten über die Straße zu tragen.

Für ihren Einsatz haben sie als Anerkennung einen Scheck in Höhe von 200 Euro bekommen. „Wir haben beschlossen, anstatt von dem Geld nett essen zu gehen, spenden wir es lieber, damit es dem aktiven Tierschutz zugute kommt“, erzählte Rita Landau. Die 200 Euro wanderten von den Amphibiensammlern an die Tierfreunde. Alina Reiss, eine der jüngsten Krötenretterinnen, überreichte das Geld an Ute Hofmann von den Tierfreunden im Nassauer Land.

Der Verein will das Geld wie immer ausschließlich zweckgebunden verwenden. „Bei uns kommt jeder Euro nur dem Tierschutz zugute. Wer bei uns mitmacht, opfert Zeit, Geld und ist mit Herzblut dabei“, betont Silvia Heibert. Bis zu 20 000 Euro gibt der Verein pro Jahr für Tierarztkosten aus.

Die 200 Euro reichen, um zwei Katzen kastrieren zu lassen – die Kosten für diesen Eingriff liegen zwischen 90 und 120 Euro. Unterstützt wird der Verein dabei von den Tierärzten im gesamten Kreis. „Dabei ist es genauso wichtig, männliche wie weibliche Tiere kastrieren zu lassen“, erläutert Heibert. Natürlich sei es bei den Katzen wichtig, dass sie keine weiteren, bald ebenfalls streunenden Katzenbabys auf die Welt bringen. Aber auch die Kater sollten „entschärft“ werden. Sie seien dann weniger aggressiv und vermieden dadurch die Verbreitung schwerer Krankheiten wie Katzen-Aids oder Leukose.

Und unabhängig davon, ob die Katzen krank oder gesund sind, haben sie eben oft kein Zuhause. Ausgangspunkt für diese Misere ist allzu häufig ein unbedachtes Weihnachtsgeschenk. „Deshalb gibt es bei uns im Tierheim seit dem 15. Dezember und noch bis zum ersten Samstag im Januar einen rigorosen Vermittlungsstopp“, erklärt Marianne Luthmer.

Das Team des Tierheims macht das seit Jahren so und „mittlerweile ist die Situation nach Weihnachten etwas besser geworden.“ Trotzdem tut Luthmer alles, um unüberlegte Spontananschaffungen zu verhindern. „Vielen Menschen ist nicht bewusst, was es bedeutet, sich ein Tier anzuschaffen – und wenn das süße Kätzchen das erste Mal das Sofa zerkratzt oder der Hund eben doch nicht von den Kindern ausgeführt wird und alles an der Mutter hängen bleibt, werden die Tiere schnell zurückgebracht oder ausgesetzt.“ Sie ist immer wieder erschüttert über die fehlende Weitsicht: „Die Menschen müssen endlich begreifen: Stiefel kann man in Ruhe ausprobieren, Tiere nicht!“

Dagmar Schweickert

Y Infos im Internet unter www.tierschutz-diez.de oder www.tierfreunde-nassauer-land.de


Rh.-Lahn-Ztg. Bad Ems vom Montag, 29. Dezember 2014, Seite 26