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Liebevolle Kinderstube für ein Feldhasenbaby

Liebevolle Kinderstube für ein Feldhasenbaby

Tierschutz Renate und Helmut Pammer ziehen Wildfang mit Flasche groß

Von unserer Redakteurin Michaela Cetto

M Bad Ems. Das urige Häuschen der Familie Pammer ist mal wieder Kinderstube für ein verlassenes Tierbaby: Seit Montag wohnt ein etwa zwei Wochen alter Feldhase bei den Tierfreunden aus Bad Ems. „Das ist eine Premiere“, schmunzelt Renate Pammer. „Wir hatten schon Kaninchen, Eichhörnchen, Igel und Rehkitze, Vögel, Fledermäuse und jede Menge Katzen – aber einen Feldhasen hatten wir noch nie.“

Renate Pammer und ihr Mann Helmut sind in Bad Ems und Umgebung bekannt für ihr großes Herz für Tiere. Mit dem Verein Tierfreunde im Nassauer Land haben sie schon eine Menge bewegt, von spektakulären Rettungsaktionen bis zu Kastrationseinsätzen für streunende Katzen. Der Verein wird immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Die Pammers kümmern sich schon seit vielen Jahren rührend um alles, was kreucht und fleucht und Hilfe benötigt. Die Bad Emser wissen das (und nicht nur die). Deswegen klingelt meist zuerst bei den Pammers das Telefon, wenn jemand ein verletztes oder verlassenes Tier aufgreift – ob es nun gerade passt oder nicht. So war es auch wieder am vergangenen Montag.

„Der kleine Kerl wurde auf der Denzerheide gefunden“, sagt Renate Pammer. „Die Leute meinten, da sei ein kleines Kaninchen, und wir dachten, es handelt sich um ein Weihnachtsgeschenk, dessen jemand überdrüssig wurde. Als wir sahen, dass es ein kleiner Feldhase ist, fielen wir aus allen Wolken.“

Nach kurzer Recherche war klar: Feldhasen bekommen tatsächlich schon im Februar Junge. Und: Das Kerlchen durchzubringen, würde schwierig werden. Denn weil er keine Feldhasenmuttermilch bekommt, die ihn gegen zahlreiche Krankheitserreger, die alle Häschen in sich tragen, immun macht, ist er sehr empfindlich. Nach Rücksprache mit einer Tierärztin versuchten es die Pammers mit einem Fläschchen und Katzenaufzuchtmilch. Und voilà: Nach anfänglichen Schwierigkeiten akzeptiert das Häschen die Flasche und trinkt.

Mit gefülltem Magen wird der Racker zunehmend munterer: Wer seine Hand in den Käfig streckt, wird sofort attackiert – nur Kater Elvis darf den Kleinen ungeniert beschnuppern. „Wir wollen ihn gar nicht zahm machen“, betont Helmut Pammer. „Sobald er so weit ist, wird er wieder ausgewildert. Ein Feldhase ist ein Wildtier, und das soll er schließlich auch bleiben.“ Bei der Krähe Jakob übrigens, die Helmut Pammer im vergangenen Juni mit der Hand aufgezogen hat, haben diese Bemühungen bislang nicht gefruchtet. Der schlaue Vogel kommt immer wieder und bettelt nach Futter – aber eine „Stadtkrähe“ ist eben auch kein Feldhase.

Das Feldhasenbaby hat noch keinen Namen, und die Pammers sind sich nicht einig, ob er überhaupt einen bekommen soll. Aber: „Der Abschiedsschmerz kommt sowieso“, sagt Renate Pammer. Nahezu jedes Tier, das die beiden gepflegt haben, wurde mit Tränen verabschiedet. „Wir hoffen einfach, dass der Kleine es überhaupt schafft.“ Wenn er dann seiner Wege geht, wird ihm dann mindestens auch ein lachendes Auge nachsehen.


Rh.-Lahn-Ztg. Diez vom Samstag, 28. Februar 2015, Seite 19