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Hunderte herrenlose Katzen im Kreis

Tierfreunde im Nassauer Land kümmern sich um Kastration der Streuner – Große Aktion für 2020 geplant – Situation birgt mehrere Risiken

Von Michaela Cetto
 
Sind die süß: Katzenkinder und ihre Kapriolen knacken alle Klickrekorde im Internet. Im echten Leben aber gibt es zu viele herrenlose Katzen, die sich unkontrolliert vermehren. Deswegen fordern Tierschützer wie die Tierfreunde im Nassauer Land sowie auch Amtstierarzt Dr. Gerwin Dietze vehe-ment eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen.
 
Klar: Die Katze ist das beliebteste Haustier der Deutschen, denn sie ist nicht nur besonders niedlich, sondern auch extrem pflegeleicht. Kein Gassigehen, kein Stöckchen werfen im Regen, und beim Wochenendausflug versorgt sich der Schnurrbartträger kurzerhand selbst mit Mäusen aus dem Garten. Das Pro-blem: Auch Katzen mit festem Wohnsitz kennen den Ruf der Natur, sich zu ver-mehren, genau wie ihre streunenden Artgenossen. Weibliche Katzen können schon im Alter von sechs Monaten trächtig werden, und das zweimal im Jahr mit bis zu sechs Welpen. Wenn sich unverhoffter Nachwuchs einstellt, der nicht vermittelt werden kann, landen die Kleinen auch mal schnell im Tierheim oder werden sich selbst über-lassen. Im Rhein-Lahn-Kreis gibt es Hunderte frei lebender Katzen, und es wä-ren sicher Tausende, wenn die Tierschützer nicht tätig wären.
 
Allein in den vergangenen anderthalb Jahren haben die Tierfreunde im Nassau-er Land mehr als 200 Katzen und Kater von Tierärzten kastrieren lassen. Bei Kosten um die 100 Euro pro Eingriff sind das 20 000 Euro, die der Verein dafür berappt hat. „Kastrierte Katzen sind gesunde Katzen“, erklärt die Vorsitzende des Vereins Silvia Heibert. „Das Leid der wilden Katzen ist groß. Die Hälfte der Tiere ist krank und nicht selten gehen Welpen in Freiheit elendig zugrunde.“ Neben Parasiten und diversen bakteriellen Infektionen drohen Katzenseuche, Katzen-Aids, ansteckende Bauchfellentzündungen und andere Katzenkrankheiten, die allesamt tierärztlich behandelt werden müssen.
 
Dabei handelt es sich bei den Tierfreunden um nur einen kleinen Verein mit sehr rührigen Mitgliedern, die ehrenamtlich arbeiten und ihre Freizeit opfern. Der Verein finanziert sich allein über Spenden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Kastration und auch der Versorgung von Freigänger- und Fundkat-zen. „Wir unterstützen aber auch im Einzelfall Tierhalter ohne finanziellen Hin-tergrund bei tierärztlichen Behandlungen und Operationen“, erklärt Silvia Hei-bert. Auch bei verletzten Fundkatzen springt der Verein finanziell ein. Außer-dem weist er landwirtschaftliche Betriebe gezielt auf die Möglichkeit hin, die Katzen auf Kosten des Vereins kastrieren zu lassen.
 
Denn gerade auf oder rund um (Bauern-)Höfe explodiert die Population der Samtpfoten häufig. Vor rund zwei Jahren gab es zum Beispiel eine große Kat-zenflut in Dörsdorf – im Jahr 2018 hat die Gemeinde als vierte Kommune in Rheinland-Pfalz eine Katzenverordnung erlassen, die Katzenhalter dazu ver-pflichtet, ihre Tiere kastrieren und registrieren zu lassen. „Seitdem hat sich die Situation dort merklich verbessert“, sagt Heibert. Auch andernorts flackern im-mer wieder kleinere Brennpunkte auf. So hatten die Tierfreunde in den vergan-genen zwei Jahren größere Einsätze in Ruppertshofen, Kördorf, Birlenbach, Oberbachheim oder auch Weisel. Eine allgemeine Kastrations- und Registrie-rungspflicht würde das Problem entschärfen. Die Vorteile einer Katzenschutz-verordnung liegen auf der Hand: Kastrierte Katzen vermehren sich nicht. Und wenn alle gehaltenen Katzen gekennzeichnet und registriert sind, kann der freie Auslauf fortpflanzungsfähiger Katzen beschränkt und kontrolliert werden. Nebenbei können entlaufene Tiere schneller wieder zu ihren Besitzern zurückkehren.
 
Bis eine flächendeckende Katzenschutzverordnung erlassen wird, müssen die Tierfreunde wirbeln, um das Leid der Tiere einzuschränken. Fürs kommende Jahr plant der Verein eine groß angelegte Katzenkastrationsaktion im Rhein-Lahn-Kreis. Dafür arbeiten die Tierfreunde auch mit anderen Tierschutz-Orga-nisationen wie der Tierhoffnung Blaues Ländchen oder auch dem Tierschutz-verein Diez und Umgebung zusammen. Für dieses Jahr haben die Tierfreunde nur noch einen Wunsch: „Keine Tiere unter dem Weihnachtsbaum.“ Vielleicht „tut’s“ ja auch ein Smartphone, mit dem die neuesten Katzenvideos direkt zur Bescherung angeschaut werden können.