Notfall-Instruktionen

Die Höckerschwäne

Auf der unteren Lahn hat jeweils zwischen den Schleusen je ein Paar Höckerschwäne sein Revier. Es sind also immer die selben Schwäne die wir hier sehen. So gibt es je ein Paar in Friedrichssegen, in Miellen, in Fachbach/Nievern, in Bad Ems, in Dausenau, in Nassau, in Obernhof. Das sind die Schwanenpaare um die sich die Tierfreunde im Nassauer Land e.V. im Notfall kümmern. Hinzu kommt jedes Jahr im Mai der Nachwuchs der Schwäne. Seit 2006 halten sich hier auch die Jungschwäne aus der Region auf - sie verbringen die meiste Zeit gemeinsam auf den Wiesen an der Lahn. Wir hatten so Anfang des Sommers 2007 20 Schwäne in Bad Ems. Es kommt immer wieder vor, dass einer dieser Nachwuchsschwäne den Revierinhabern in die Quere kommt, was öfter zu heftigen Auseinandersetzungen führt. Wir mussten schon wiederholt verprügelte Jungschwäne einfangen und in die Tierklinik bringen (siehe Foto rechts).
 

Helfen

Familie Helmut und Renate Pammer aus Bad Ems (Foto rechts) kümmern sich seit etlichen Jahren um diese Schwäne, wenn sie krank oder verletzt sind. Meist werden sie von der Polizei informiert, wenn "Not am Schwan" ist. Sie fahren unentgeltlich an die 4000 km im Jahr um verletzte Schwäne nach Mayen, Waldesch oder Kirchwald zu bringen. Um die Schwäne einfangen zu können haben die Tierfreunde im Nassauer Land 2 große Kescher angeschafft.
 

Was passiert mit den kranken/verletzten Schwänen?

Der verletzte Schwan wird eingefangen und mit dem Auto nach Waldesch gefahren, wo sich Frau Klöppner um verletzte Wasservögel kümmert. Dort findet eine erste Untersuchung und Behandlung statt. Meist müssen wir die Tiere anschließend nach Mayen in die Tierklinik von Frau Dr. Mercier bringen. Im Anschluss kommen die Schwäne zur Versorgung entweder wieder nach Waldesch oder in die Wildvogel-Pflegestation von Frau Steffens nach Kirchwald. Sobald die Schwäne wieder gesund sind werden sie zurück in ihr Revier gefahren. Bei kleineren Verletzungen helfen uns auch die Tierärzte hier vor Ort.
 

Was gibt es für Verletzungen und Krankheiten?

Leider verschlucken Schwäne immer wieder Angelhaken. Das führt zu gefährlichen Verletzungen und die Haken müssen herausoperiert werden. Wir würden uns wünschen, dass alle Angler sorgsamer mit ihren Angelhaken und -schnüren umgehen.
Bedingt durch schlechte Wasserqualität treten häufig Infekte wie bakterielle Halsentzündungen und Lungenentzündungen auf.
Hugo, der Bad Emser Schwan, hatte 2003 einen schweren Abszess im Hals, der operiert werden musste.
Oft haben die Schwäne auch Parasiten. So hatten wir Anfang 2008 einen durch Lausfliegen und Würmer sehr geschwächten Jungschwan nach Waldesch bringen müssen.
 
Botulismus: Eine schwere Vergiftung, die vor allem bei starker Wassererwärmung auftritt. Ruft Lähmungserscheinungen hervor, wie Atem- und Flügellähmung und Lähmung der Halsmuskulatur.
Bleivergiftung durch Bleischrote, die von Jägern oder Anglern stammen. Die Schwäne nehmen diese beim Gründeln mit auf, das Blei gelangt in den Blutkreislauf und ruft schwere Vergiftungserscheinungen hervor. In Amerika werden deshalb Bleischrote durch stahlummantelte Schrote ersetzt. Auch in Großbritannien ist der Einsatz von Blei verboten.
Gefährlich werden den Schwänen auch frei laufende Hunde, insbesondere während der Brutzeit und wenn sie Junge führen. So haben im Frühjahr 2003 in Bad Ems frei laufende Hunde zwei Schwanenküken gerissen. Im Januar 2008 wurden in Bad Ems und Nievern 2 Jungschwäne von Hunden getötet.
 

Übergriffe durch Menschen

Leider hat sich im Laufe der Jahre herausgestellt, dass es auch Menschen gibt, die den Schwänen nicht freundlich gesonnen sind...
So mussten wir im Herbst 2003 einen Jungschwan in Bad Ems von der Lahn holen, der schwer geschlagen worden war.
Im Frühjahr 2001 verschwanden in Bad Ems alle frisch geschlüpften Schwanenküken aus dem Nest. Nachts um 1 Uhr waren sie von Anwohnern noch gesehen worden - morgens darauf um 7 Uhr war das Nest leer. Die Anwohner haben berichtet, dass nachts vor dem Nest mit Leinen geangelt wurde.
Im Frühjahr 2002 verschwanden trotz ständiger Bewachung 3 Schwanenküken im Bereich des Kurparks von Bad Ems. Wir hatten sie nur 2 Stunden aus den Augen verloren.
Im Sommer 2002 hatte ein Jungschwan in Bad Ems ein Mal von einer Schlinge um den Hals.
Es gibt auch glaubwürdige Berichte, wonach Enten von der Lahn geholt wurden.
Dass dies kein regionales Problem ist, zeigen Berichte von der Saar und der Mosel, wo 2004 mehr als 100 Schwäne verschwanden. Vor allem an der Sauer-Mündung, in der Region Igel sowie bei Oberbillig, Saarburg und Werrig sind die Tiere verschwunden.
In England verschwanden 2003 hunderte Schwäne - die SUN machte Osteuropäer dafür verantwortlich und brachte eine Titelgeschichte:
SWAN BAKE! ASYLUM SEEKERS STEAL THE QUEEN'S BIRDS FOR BARBECUES.
2007 wurden an der Mosel mehrere tranchierte Schwanenkadaver gefunden, fachgerecht waren die besten Teile, wie die Brust, entnommen worden.
Wegen der Zerstörung zahlreicher Schwanengelege an der Mosel hat der Vorsitzende des Tierschutzbeirates Rheinland-Pfalz, Dr. Helmut Stadtfeld, im Mai 2007 Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet und es wurden 1000 Euro Belohnung ausgesetzt für die Überführung der Täter.
Im April 2007 wurden in Dausenau alle Eier aus dem Nest gestohlen - es gab Zeugen, die aber leider nicht bereit waren, eine Aussage zu machen.
Wir bitten deshalb alle, die Augen offen zu halten und gegebenfalls die Polizei einzuschalten.
 

Sonstige Gefahren

In Bad Ems rutschen die Schwanenkinder immer wieder über das Wehr oder werden durch Unachtsamkeit des Schleusenwärters von den Eltern getrennt. Wir sind im Sommer dauernd unterwegs um die kleinen Schwäne wieder zurück zu holen. So lange sie nicht fliegen können, haben sie keine Chance alleine wieder rauf zu kommen. Da hinter der Schleuse Bad Ems schon das Revier der Nieverner Schwäne beginnt, ist das sehr gefährlich. Der dortige Revierinhaber akzeptiert keinen fremden Nachwuchs und tötet das fremde Schwänchen. Das ist dann auch nicht "Natur"... Wehre und Schleusen sind schließlich von Menschen erbaut.
 

Schwanenfutter

Generell ist das Füttern nur in harten Wintern nötig.
Wer es aber nicht lassen will (aber bitte in Maßen): Unsere Schwäne lieben z.B. Löwenzahn, Raps, Vogelmiere und Schilf. Gutes Futter ist Körnerfutter, wie Weizen, Hafer, Gerste, Mais oder Hühnerkörnerfutter. Auch Vollkornbrot wird gerne genommen. Bitte immer im Wasser füttern.
Kein geeignetes Futter ist Toastbrot oder ganz schlecht: verschimmeltes Brot (kann zu Vergiftungen führen) bitte auch kein hartes, trockenes Brot (kann in der Speiseröhre aufquellen und diese verstopfen). Uns wurde berichtet, dass vor Allem das Füttern von großen Mengen Toastbrot zu Missbildungen an Beinen und Flügeln führen kann.
 

Andere Wasservögel

Wir kümmern uns natürlich genauso um verletzte Enten und Graureiher und auch um alle anderen Wildvögel in Not.
 

weiteres zum Thema:

Zur Nistsituation der Höckerschwäne in unserer Region

Grensing 2        
Unsere Sommergäste von der CARINA und der ALPHA holen einen verloren gegangenen Jungschwan zurück
Foto: Billi Griebler 18.07.2007
Pammer 07
von Hugo verprügelter Jungschwan in Bad Ems
Foto: Billi Griebler 6.12.07
 
 
Angelhaken
Anglermüll auf den Leinpfaden in Bad Ems
Verhängnisvoll für Schwäne
 
Schwan 04Nachwuchs bei Familie Hugo in Bad Ems
Foto: Billi Griebler 14.05.03
 
Schwan 05
Diese beiden Kerlchen mussten in Grieblers Badewanne übernachten, weil sie irgendwie ihren Eltern abhanden gekommen sind...
Foto: Wolfgang Griebler 21.5.02
 
 Schwan 03
Familie Hugo in Bad Ems
Foto: Wolfgang Griebler 18.8.02
 
Schwan 04
Ein Päuschen auf Mamas Rücken...
Foto: Billi Griebler 2002
 
Hugo
Billi und Hugo
Foto: Renate Pammer 28.07.2003
 Schwan 01
Familie Hugo in Bad Ems
Foto: Wolfgang Griebler 9.11.02
 
Schwan 02
Die Obernhofer Schwänin
Foto: Wolfgang Griebler 27.4.03