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Katzenkastration als vorbildlicher Tierschutz

Haustiere Burgbrohler Modell soll Vorbild für Kommunen in Rheinland-Pfalz sein – Gemeinde hat gute Erfahrungen gemacht
Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs (RZ Kreis Ahrweiler)

Brohltal/Burgbrohl. In der Verbandsgemeinde (VG) Brohltal ist verwirklicht worden, was die Katzen- und Tierschutzvereine im Kreis bereits seit vielen Jahren kreisweit durchsetzen wollen: Als erste Kommune in Rheinland-Pfalz hat die VG eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen eingeführt. Initiiert wurde die Katzenschutzverordnung, die am 1. Juli in Kraft getreten ist, jedoch nicht vonseiten des Tierschutzes, sondern von der Gemeinde Burgbrohl, die die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht bereits 2014 auf eigene Faust eingeführt hatte.

Es ist ein Teufelskreislauf: Ungewollter Katzennachwuchs wird weiterverschenkt und pflanzt sich unkastriert bei seinen neuen Besitzern fort. Viele der Tiere landen am Ende, sich selbst überlassen, auf der Straße. Hilfreich ist es, wenn sich tierliebe Menschen dieser Katzen annehmen und sie mit Fressen versorgen. Zum Problem wird es aber, wenn sie sich nicht auch um die Kastration des Tieres kümmern. Beschert das Kätzchen dann kräftig Nachwuchs, schlägt die Tierliebe schnell ins Gegenteil um: Lieber gestern als heute soll sich der Tierschutz der Tiere annehmen. Doch der stöhnt schon lange über die „Katzenflut“ gerade in den Sommermonaten.

Kastration als Tierschutz: Einigkeit herrscht eigentlich allerorten darüber, dass die Überpopulation von Katzen langfristig nur durch die Verhinderung unkontrollierter Fortpflanzung erreicht werden kann. Bundesweit setzen deshalb bereits mehr als 350 Städte auf eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht. In Rheinland-Pfalz übernahm Burgbrohl 2014 eine Vorreiterrolle, als die Gemeinde die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht einführte – das sogenannte Burgbrohler Modell war geboren. Bereits fünf Jahre zuvor hatte die Gemeinde einen Posten für den Tierschutz (konkret: Geld für Kastrationsaktionen) im Haushalt etabliert. Dem vorausgegangen war eine von allen Seiten erkannte Notlage: In verschiedenen Wohngebieten von Burgbrohl hatte die Zahl der freilaufenden und verwilderten Katzen so zugenommen, dass es handfeste Probleme gab. „Wenn man die Mülltonnen rausgestellt hat, musste man einen Stein drauflegen“, erinnert sich Markus Gilles, Tierarzt aus Burgbrohl-Weiler, der die Einführung der Kastrationspflicht von Beginn an engagiert begleitet hat.

„Der Gemeinderat von Burgbrohl stand geschlossen dahinter. Wir sind da vorgeprescht, und erstaunlicherweise hat es geklappt“, erinnert sich Joachim Huber, Ratsmitglied in Burgbrohl. Die Erfahrungen in der Gemeinde sind gut, erklärt Huber, der in Burgbrohl als Schnittstelle zwischen Katzenbesitzern, Tierarzt und Ortsgemeinde fungiert. Die meisten Katzenhalter waren kooperativ, weil sie den Sinn der Verordnung nachvollziehen können. „Wichtig sind die Leute, die wir nicht erreichen“, betont Huber. Offensiv sucht er deshalb das Gespräch mit uneinsichtigen Katzenhaltern oder auch Menschen, die nicht das Geld dafür haben, ihre Katze kastrieren zu lassen. „Bisher haben wir es immer irgendwie regeln können“, meint Huber.

Er und Markus Gilles sind voll des Lobes für die VG-Verwaltung und den VG-Rat, vor allem aber für Verbandsgemeindebürgermeister Johannes Bell, der die Angelegenheit tatkräftig und gegen alle Zweifler vertreten hat. Dabei wollte er den Gemeinden die Katzenschutzverordnung aber nicht einfach durch eine Entscheidung im VG-Rat überstülpen; stattdessen suchte Bell den Schulterschluss mit den Ortsbürgermeistern. Am Ende konnte er all seine Bürgermeisterkollegen überzeugen.

Ein Problem aber war die rechtliche Grundlage. „Wie kann ich eine ganze Verbandsgemeinde zum Notstandsgebiet erklären?“, fragte sich Bell. Er brauchte Zahlen zur Katzenpopulation in seiner VG – angesichts der großen Dunkelziffer ein schwieriges Unterfangen, bei dem ihm Tierärzte und Tierschutzverein Kreis Ahrweiler halfen. „Es ging darum, das Übel an der Wurzel zu packen“, resümiert Gilles. Damit, dass ihm als Tierarzt mitunter unterstellt wird, dass es ihm nur darum gehe, an der Kastrationspflicht Geld zu verdienen, kann er leben. Besonders froh ist er über den politisch breiten Konsens bei der Entscheidung für die Katzenschutzverordnung. „Die Innovationen aus dem Brohltal sind ja nicht so häufig. Da kann man auch mal stolz drauf sein“, so Gilles.

Er und Joachim Huber hoffen nun auf einen Schneeballeffekt, darauf, dass andere Kommunen in Rheinland-Pfalz sich die Verordnung der VG Brohltal zum Vorbild nehmen. „Es gab schon mehrere Anfragen“, weiß Markus Gilles.

Eine Gratulation zur Einführung der Verordnung kam vom Tierschutzbeirat des Landes. „Überfüllte Tierheime und die elende Situation frei lebender Katzen sind das Ergebnis verantwortungsloser Katzenhalter, die eine unkontrollierte Vermehrung ihrer Tiere zulassen. Dieser Verantwortungslosigkeit gegenüber den Tieren, aber ebenso gegenüber den Kommunen, die für Fundkatzen finanziell aufkommen müssen, kann der Erlass einer kommunalen Katzenschutzverordnung entgegenwirken“, schreibt Christiane Baumgartl-Simons, Vorsitzende des Tierschutzbeirats, an Bürgermeister Bell. Die VG Brohltal habe gezeigt, dass „das Zusammenwirken engagierter Tierärzte und Politiker in Verbindung mit einer guten Öffentlichkeitsarbeit zum Erfolg führt“.

Die Katzenschutzverordnung
Die neue Katzenschutzverordnung in der VG Brohltal sieht vor, dass Katzenhalter, die ihren Tieren Freigang gewähren, und auch die Menschen, die frei lebende Katzen füttern, diese ab Beginn des sechsten Lebensmonats durch einen Tierarzt kastrieren und (mittels Chip oder Tätowierung) kennzeichnen und beim Deutschen Tierschutzbund oder der Tierschutzorganisation Tasso registrieren lassen müssen. Für Zuchtkatzen können auf Antrag Ausnahmen zugelassen werden. Gleiches kann auch für Katzen etwa von Bauern gelten, die auf die kontrollierte Nachzucht von „Mäusefängern“ angewiesen sind. Das Ordnungsamt kann einen Nachweis über die Kastration und Registrierung verlangen und notfalls auf Kosten der Halter eine Kastration anordnen. Wer sich nicht an die Kastrationspflicht hält, blüht eine Geldbuße. peo

RZ Kreis Ahrweiler vom Donnerstag, 21. Juli 2016, Seite 17